Pilgerzentrum – Via imperii – Lutherweg
Informationen, Führungen und Herberge

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Die Pilgerbewegung

ist eine geistliche Bewegung, indem sie uns bewusst macht, dass wir Menschen uns auf dem Weg machen sollten, um Gott zu begegnen. Von Kirchenvater Augustin ist überliefert: „Sing und wandere. Am Ende deines Weges begegnest du Gott."

Diese Lebens- und Glaubenshaltung richtet sich danach, dass es für die menschliche Seele gut ist,  aufzubrechen und loslassen zu können, unterwegs und offen für Erlebnisse zu sein und bedeutet auch anzukommen, bei sich und bei Gott.

Bevor Sie sich nach Santiago de Compostela aufmachen wollen, pilgern Sie doch einfach erst einmal mit uns durchs Altenburger Land. Wir freuen uns auf eine besondere Weggemeinschaft.

Pfarrer Reinhard Kwaschik

Pilgern im Altenburger Land auf der VIA IMPERII, der alten Reichsstraße, die über Leipzig, Borna, Altenburg, Zwickau, Hof nach Nürnberg führte, und auf der einst nachweislich Pilger auf ihren Weg nach Jerusalem, Rom oder Santiago de Compostela waren.

 

 

Lassen auch Sie sich einladen, durch das historisch interessante Altenburger Land ihre Schritte zu lenken. Eine liebliche Landschaft, freundliche Menschen und viele schöne Kirchen werden Sie empfangen.

 

Die Kreisstadt Altenburg liegt in Ostthüringen und grenzt an Sachsen-Anhalt und an Sachsen. Geschichtlich ist zu erwähnen, dass seit Mitte des 12. Jh. Kaiser Friedrich II., Barbarossa, den Ausbau des Pleißenlandes als ein von ihm kontrolliertes Reichsterritorium betrieb, wobei er die schon bestehende Stadt und die alte Pfalz als herrschaftliches, wirtschaftliches und geistiges Zentrum nutzte. Dadurch entwickelte sich Altenburg zur bedeutenden Kaiserpfalz, angesehenen Reichstadt und zum Hauptort des Pleißengaus. Die wichtige Handelsstraße, die Reichsstraße (via imperii), führte durch Altenburg. Der Wegeverlauf hat sich in den Jahrhunderten durch verschiedene Umstände etwas geändert, doch versuchen wir, Sie auf guten, historisch nahekommenden Wanderpfaden zu führen.

Wird die sächsische Grenze südlich von Borna, nach dem Passieren der Orte Zedtlitz und Wyhra, überschritten, erreicht man das Naherholungsgebiet Pahna. Am See vorbei, durch Wald und Flur gelangt man in den kleinen Ort Pähnitz.

Zwischen den Teichen, die ein Paradies für Wasservögel darstellen, führt der Weg nach Windischleuba (eine einstige Pleißefurt), einem Dorf, das reich an Fachwerkhäusern ist. Das ehemalige Schloss, heute Jugendherberge, wurde bereits 1244 erstmals als Wasserburg erwähnt. Auch der Dichter Börries von Münchhausen residierte hier. Die Saalkirche von Windischleuba war einst dem Hl. Nikolaus (u.a. Patron der Reisenden) gewidmet. Das deutet auf eine Kirche an einer Handelstraße hin.

Nicht an der direkten Pilgerstrecke liegen die Dorfkirche von Treben (vorreformatorischer Bau mit barockem Turm) und die, dem Hl. Michael geweihte, hoch über den Ort gelegene, kleine Saalkirche in Gerstenberg (eine Kapelle wurde bereits 1227 erwähnt).

Das Altenburger Schloss mit seiner weiträumigen Anlage, zu der die ehemalige Stifts- und Schlosskirche St. Georg gehört, liegt auf einem steil abfallenden Porphyrfelsen unweit des Stadtzentrums.

In der Altenburger Bartholomäikirche wurde nach der 1990 erfolgten Restaurierung ein gut erhaltener spätgotischer Schnitzaltar (wohl Leipziger Meister) aufgestellt. Die freigelegte, unvollendete romanische Krypta wird dem 12. Jh. zu geordnet.

Die Altenburger Brüderkirche, ein markanter Neubau aus dem Jahr 1905 mit einer Orgel von Wilhelm Sauer, hat ihren Namen von der Franziskanerkirche erhalten, die sich bis 1901 an dieser marktnahen Stelle befand. Im Kirchhof weisen alte Grabsteine auf interessante Persönlichkeiten hin. In der Kirche kann man Informationen zum Pilgern erhalten.

Der ausgeschilderte Pilgerweg führt am Großen Teich vorbei (Jakobshospital nicht mehr vorhanden), erreicht Paditz, geht nahe der Stünzhainer Saalkirche und nahe des Ehrenberger Schlosses (Ersterwähnung 1244; im ausgehenden 19. Jh., bis auf Bergfried, neu errichtet) in Richtung Lehnitzsch. Kurz vor dem Ort führt ein zu Beginn mit Kirschbäumen gesäumter Weg nach Mockern.

Unmittelbar im Tal der Pleiße erstreckt sich das Dorf Mockern mit seiner dem Hl. Georg geweihten Kirche. Die halbrunde Apsis kündet von ihrem Entstehen in spätromanischer Zeit. Eine Besonderheit stellen die beiden Dachreiter auf Schiff- und Chordach dar. Der Ostgiebel des Chors weist Blendnischen auf, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts oft Anwendung fanden.

Auch die Saalkirche in Saara besitzt zwei schöne Dachreiter, und außerdem eine Uhr, die anstelle der Ziffern den Spruch trägt: „NUTZE DIE ZEIT". Ein Fenstergewände im südlichen Schiffbereich verweist auf spätromanische Zeit. Innen findet man Deckenmalereien. Dass die Kirche dem Hl. Christophorus geweiht wurde, deutet u.a. auf eine einstige Furt durch die Pleiße hin. Die Legende dieses Heiligen berichtet, das dieser Riese einst Reisende und schließlich das Jesuskind durch einen Fluss trug. Er wurde u.a. als Patron der Pilger verehrt.

Es lohnt auch ein Besuch in der, dem Hl. Nikolaus geweihten, spätgotischen Kirche von Zürchau. Sie besteht aus einem quadratischen Westturm, einem schmalen Schiff und einem daran gleichbreiten sich anschließenden Chor. In dem barockgeprägten Innenraum blieben Reste eines Flügelaltars erhalten.

Als eine mittelalterliche Saalkirche gilt das kleine beschauliche Gotteshaus von Maltis. An das Kirchenschiff grenzt ein eingezogener Rechteckchor. Der Dachreiter mit Schweifkuppel und offener Laterne weist barocke Formen auf. Im Innern befindet sich eine Fülle von wertvollen Ausstattungsstücken, die im wesentlichen der Barockzeit angehören. Ein Grabstein, in Ritztechnik ausgeführt (1398), gehört zu den ältesten dieser Art.

An der Bornshainer Kirche sind mehrere Kunstzeitalter ablesbar. Schiff und Chor sind noch spätromanischen Ursprungs. Der polygonal endende Chorraum gehört der Spätgotik an.

Chorpolygon und spitzer Dachreiter der Annenkirche von Gößnitz verweisen auf spätgotische Zeit. Der achteckige Turmaufbau mit Kuppel und offener Laterne sind barocken Ursprungs. Beachtenswert ist das wunderschöne, in Fachwerk ausgeführte Pfarrhaus aus dem Jahr 1653.

 

In Ponitz wurde 1733 auf den Grundmauern der alten Kirche ein neues Gotteshaus errichtet. In Innern findet man sehr gut erhaltene Grabsteine und Epitaphe von den Patronatsfamilien, die das gegenüberliegende Schloss bewohnten. Die Ostempore trägt die Emporenkanzel und die Orgel von Johann Gottfried Silbermann (1737).

Die Dorfkirche von Frankenhausen (Sachsen), äußerlich barock geprägt, ist im wesentlichen noch der spätromanischen Bauzeit verpflichtet (halbrunde Apsis der Chorturmkirche). Das von den Burggrafen von Starkenberg gestiftete Zisterzienserkloster Frankenhausen, von dem heute noch ein Gebäude mit einem beeindruckenden Staffelgiebel zu sehen ist, befand sich ursprünglich bis Ende des 13. Jh. im benachbarten Grünberg (Thüringen).

 

 

Pilgern ist Beten mit den Füßen.

Lass mich langsamer gehen, Herr.

Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens

durch das Stillwerden meiner Seele.

Lass meine hastigen Schritte stetiger werden

mit dem Blick auf die weite Zeit der Ewigkeit.

Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages

die Ruhe der ewigen Berge.

Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln

durch die sanfte Musik der singenden Wasser,

die in meiner Erinnerung lebendig sind.

Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen,

die mich erneuert.

Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.

Lass mich langsamer gehen,

um eine Blume zu sehen,

ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln,

einen Hund zu streicheln,

ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.

Lass mich langsamer gehen, Herr,

und gib mir den Wunsch,

meine Wurzeln tief in den ewigen Grund zu senken,

damit ich emporwachse

zu meiner wahren Bestimmung.

 

(Gebet aus Südafrika)

 


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